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Luxus verliert gerade seine emotionale Mittelschicht

Und plötzlich wurde mit etwas bewusst:
Nicht nur die Hotellerie arbeitet mit dynamischer Preisgestaltung.
In Hotel nennen wir es Yield Management. Im Luxussegment nennt man es offenbar Strategie.


An diesem Tag habe ich entschieden:
Ich will da nicht mehr mitmachen.
Nicht weil ich es mir nicht leisten könnte. Sondern weil ich es nicht mehr leisten WILL! Denn irgendwann beginnt sich etwas zu verschieben. Der Preis steigt weiter. Das Produkt bleibt dasselbe.

Was mich aber wirklich beschäftigt hat, war eine andere Zahl:
Die Top zwei Prozent der Luxuskäufer machen heute rund 45 Prozent des gesamten Umsatzes aus. Tendez steigend.
Gut. Aber wer sind die anderen 55 Prozent?
Das sind nicht Milliardäre.
Das sind Menschen, die sich zweimal im Jahr etwas Besonderes gönnen. Zum Geburtstag. Als Belohnung. Als kleines Stück Freude. Menschen, die nicht kaufen, um etwas zu zeigen, sondern weil sie etwas lieben. Genau diese Menschen werden gerade aus dem Markt vergrault.
Zwischen 2022 und 2024 verlor die Luxusbranche rund 50 Millionen Kunden. Nicht wegen einer Krise. Nicht wegen eines Skandals. Sondern weil Sehnsucht irgendwann in Frustration umschlägt.
 
Imran Amed, Gründer von The Business of Fashion, formulierte es sinngemäß so:
"Wenn die Kluft zwischen denen, die haben, und denen, die nicht haben, so groß wird, dass die Leiter nach oben unerreichbar erscheint, verschwindet die Sehnsucht. Menschen bewundern Wohlstand nicht mehr. Sie beginnen, ihn abzulehnen."
Und vielleicht ist genau das das eigentliche Risiko für Luxusmarken: Nicht China. Nicht Zölle. Nicht die Konjunktur.
Sondern der Moment, in dem Luxus aufhört, ein Traum zu sein und beginnt, sich wie Ausgrenzung anzufühlen. Denn die Top zwei Prozent tragen keine Marke allein. Was Marken langfristig trägt, ist die Sehnsucht der anderen 98 Prozent.

Vielleicht ist die Parallele zur Hotellerie gar nicht so weit weg. Natürlich müssen Preise wachsen. Natürlich darf Qualität ihren Wert haben. Aber wenn Menschen nicht mehr das Gefühl haben, Teil einer Geschichte zu sein, verliert man irgendwann nicht nur Buchungen oder Kunden. Man verliert Bindung.

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